{"id":160,"date":"2022-04-03T13:08:30","date_gmt":"2022-04-03T11:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/?post_type=tribe_events&#038;p=160"},"modified":"2023-04-03T13:11:15","modified_gmt":"2023-04-03T11:11:15","slug":"1-mai-wir-kriegen-nur-wofuer-wir-kaempfen","status":"publish","type":"tribe_events","link":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/?tribe_events=1-mai-wir-kriegen-nur-wofuer-wir-kaempfen","title":{"rendered":"1. Mai: Wir kriegen nur, wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahren pandemiebedingter Absagen, wird es in diesem Jahr wieder die traditionelle Gewerkschaftsdemonstration am 1. Mai geben.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit anderen Initiativen mobilisieren wir zur Teilnahme und werben unter dem Motto &#8222;Alle gegen Alle? Nicht mit uns!&#8220; f\u00fcr einen antikapitalistischen Block. Der Aufruf dazu findet sich <a href=\"https:\/\/bewegungsmelderab.wordpress.com\/2022\/04\/06\/heraus-zum-1-mai22\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Geht mit uns auf die Stra\u00dfe f\u00fcr bessere Arbeits- und Lebensbedingungen und f\u00fcr eine Zukunft, in der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung der Vergangenheit angeh\u00f6ren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Beitrag:<\/p>\n<p><strong>Wir kriegen nur, wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen!<\/strong><\/p>\n<p>Chicago, 1886: eine bereits seit Jahren aktive Arbeiterbewegung mobilisiert f\u00fcr den ersten Mai zu einem mehrt\u00e4gigen Streik. Ziel ist die Einf\u00fchrung des 8-Stunden Tags. Zehntausende beteiligen sich, dabei werden am 3. Mai sechs Arbeiter erschossen. Am 4. Mai explodiert auf einer Kundgebung eine Bombe die 18 Menschen in den Tod rei\u00dft. Die Polizei er\u00f6ffnet daraufhin das Feuer und weitere Streikende sterben.<\/p>\n<p>Obwohl unklar ist, wer die Bombe z\u00fcndete, wurden acht Arbeiter und Organisatoren des Streiks f\u00fcr schuldig befunden und sieben davon zum Tode verurteilt. Bei allen Verurteilten handelte es sich um \u00fcberzeugte Anarchisten und vorallem diese Haltung wurde ihnen zum Verh\u00e4ngnis. Diese Ereignisse, die als Haymarket Riot in die Geschichte eingingen, waren die Geburt des 1. Mai als internationalem Kampftag der Arbeiter*innenklasse.<\/p>\n<p>Aktuell erleben wir eine Explosion der Lebenshaltungskosten. Energie, Lebensmittel, Mieten: die Preise gehen weiter steil nach oben. Durch Klimakrise, Pandemie und Krieg versch\u00e4rft sich die Situation und entwickelt eine bedrohliche Dynamik.<\/p>\n<p>Das obere 1 Prozent h\u00e4lt rund 18 Prozent des gesamten Verm\u00f6gens \u2013 so viel wie die \u00e4rmsten 75 Prozent der erwachsenen Bev\u00f6lkerung zusammen. Die realen L\u00f6hne und damit die Kaufkraft sinken und wir sollen den G\u00fcrtel enger schnallen?<\/p>\n<p>In unserer gewerkschaftlichen Arbeit erleben wir die Auswirkungen einer zunehmenden Prekarisierung der Arbeitswelt. Vor allem in den Bereichen, die ohnehin schon als Niedriglohnsektoren gelten. Es ist an Dreistigkeit nicht zu \u00fcberbieten, mit welchen Ma\u00dfnahmen windige Chefs und Unternehmen Arbeiter*innen selbst um gesetzliche Mindeststandards bringen.<\/p>\n<p>Das sind keine Ausnahmen, dahinter steckt System und allein hierzulande sind Millionen betroffen. Wenn wir dies als nackte Ausbeutung, Betrug und Entw\u00fcrdigung bezeichnen, ist das nicht \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>Immer wieder sind es vor allem Migrant*innen, die sich in miesesten und oft irregul\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen verdingen m\u00fcssen. Gerade in Teilen der Dienstleistungsbranche und der so genannten Plattform\u00f6konomie herrschen Bedingungen, die an fr\u00fchkapitalistische Zeiten erinnern.<\/p>\n<p>Bereits jetzt reiben sich Kapitalist*innen vor dem Hintergrund der hier ankommenden Gefl\u00fcchteten aus der Ukraine die H\u00e4nde und sehen diese als Zustrom billiger Arbeitskr\u00e4fte ohne anderen Ausweg. So das Unternehmen T\u00f6nnies beispielsweise, das direkt an der polnischen Grenze Flyer an Gefl\u00fcchtete verteilte und mit Anstellung in seinen Fleischfabriken warb.<\/p>\n<p>Gegen diese zynischen Verh\u00e4ltnisse m\u00fcssen wir uns wehren.<\/p>\n<p>Erfreulich sind die vielen kleinen Organisationsbem\u00fchungen, die auch immer \u00f6fter in kollektiven K\u00e4mpfen ihren Ausdruck finden. Basisgewerkschaften wie die FAU sind oft Teil dieser Konflikte. Sei es in unterst\u00fctzender Form oder durch die eigene Betroffenheit ihrer Mitglieder. Beispielhaft seien hier die Streiks der Erntearbeiter*innen in Bornheim 2020 genannt oder die in vielen St\u00e4dten laufenden Konflikte so genannter Rider, welche sich als Fahrradkurier*innen unter miesen Arbeitsbedingungen und f\u00fcr mageren Lohn die R\u00fccken kaputt strampeln.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen intervenieren, wo neue Besch\u00e4ftigungsbereiche entstehen, in denen mit intensivster Ausbeutung zu rechnen ist. Doch es reicht nicht mit anderen solidarisch zu sein und diese zu unterst\u00fctzen. Es ist wichtig, dass wir uns selbst und in allen Sektoren organisieren und diesen Entwicklungen aktiv entgegentreten.<\/p>\n<p>Denn wir alle sind Teil dieses R\u00e4derwerks sind, dass die Maschinerie tagt\u00e4glich am Laufen h\u00e4lt. Und wir k\u00f6nnen der Schraubenschl\u00fcssel im Getriebe sein, der das alles zum Stillstand bringt. Wir m\u00fcssen den eigenen Arbeitsplatz nicht nur als Ort individueller Einkommensquelle betrachten, sondern als einen m\u00f6glichen Ausgangspunkt f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Wenn wir also ernsthaft mehr wollen, als uns immer nur gegen die schlimmsten Symptome des Kapitalismus zu wehren, sondern die herrschenden Zust\u00e4nde und sozialen Probleme \u00fcberwinden und l\u00f6sen wollen, m\u00fcssen wir uns den damit einhergehenden Herausforderungen stellen.<\/p>\n<p>Der herrschenden Ausbeutung, Zerst\u00f6rung und Unterdr\u00fcckung von Mensch und Natur stellen wir eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gegen\u00fcber, die auf Solidarit\u00e4t und Selbstverwaltung basiert. In der Freiheit und Gleichheit keine Lippenbekenntnisse, sondern Grundlagen des Zusammenlebens sind und alle Menschen ein gutes Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Geschuldet der Komplexit\u00e4t der global-vernetzen Produktionsketten, setzt dies ein H\u00f6chstma\u00df an Organisation in allen Arbeits- und Lebensbereichen und \u00fcber alle Grenzen hinweg voraus.<\/p>\n<p>Geschenkt bekommen wir das alles nicht. Es verlangt Ausdauer und die Bereitschaft am Aufbau einer sozialen Arbeiter*innenbewegung mitzuwirken, die an den Wurzeln des kapitalistischen Systems ansetzt. Die sich immer wieder auch kleinen Konflikte, ob bei der Arbeit, um Miete oder Lebensmittelkosten annimmt ohne die Perspektive auf eine bessere Welt aus den Augen zu verlieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist der 1. Mai kein Relikt der Vergangenheit. Im Gegenteil: die K\u00e4mpfe f\u00fcr bessere Arbeits- und Lebensbedingungen sind so n\u00f6tig wie eh und je. Und auch die Perspektive einer Welt, in der Ausbeutung und Armut der Geschichte angeh\u00f6ren, lebt in unseren K\u00e4mpfen fort. Wenn uns der 1. Mai eines lehrt, dann ist das die Tatsache, dass wir nur das kriegen, wof\u00fcr wir uns gemeinsam organisieren und k\u00e4mpfen. Und zwar t\u00e4glich.<\/p>\n<p><em>FAU Sektion Aschaffenburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahren pandemiebedingter Absagen, wird es in diesem Jahr wieder die traditionelle Gewerkschaftsdemonstration am 1. Mai geben. Gemeinsam mit anderen Initiativen mobilisieren wir zur Teilnahme und werben unter dem Motto &#8222;Alle gegen Alle? Nicht mit uns!&#8220; f\u00fcr einen antikapitalistischen Block. Der Aufruf dazu findet sich hier. Geht mit uns&#8230; <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/?tribe_events=1-mai-wir-kriegen-nur-wofuer-wir-kaempfen\">Continue reading<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":161,"template":"","meta":{"_tribe_events_status":"","_tribe_events_status_reason":"","footnotes":""},"tags":[26,27],"tribe_events_cat":[],"class_list":["post-160","tribe_events","type-tribe_events","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","tag-1-mai","tag-dgb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tribe_events\/160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tribe_events"}],"about":[{"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/tribe_events"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tribe_events\/160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":162,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tribe_events\/160\/revisions\/162"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/161"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=160"},{"taxonomy":"tribe_events_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/aschaffenburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftribe_events_cat&post=160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}